Vom Tagebuch zum Schreibatelier

Schreibatelier Frohnau - Marén Wiedekind
“Eh einer schreibt, muss er leben”
Christa Wolf

 

Bücher begleiteten mich schon als Kind. Staunend spazierte ich durch fremde Welten, die nur aus Buchstaben bestanden. Ich freute mich auf die Schule und auf das Schreiben lernen – stattdessen gab es Schwungübungen. Doch den Schwungübungen folgten Buchstaben, den Buchstaben Wörter, den Wörtern Sätze, den Sätzen Texte.

Bei Klinikaufenthalten lernte ich Kinder aus anderen Städten kennen. Aus Zimmergenossinnen wurden Brieffreundinnen. Ich verfasste lange Briefe, steckte sie in selbstgebastelte Umschläge und schickte sie nach Weilheim, Bonn und Saarbrücken. Mit zwölf Jahren besuchte eine Brieffreundin in Bayern, mit vierzehn in Brüssel.

Der Stift begleitete mich auch danach noch auf vielen Reisen. Die längste dauerte ein halbes Jahr und führte mich auf dem Landweg nach Pakistan. Noch heute schreibe ich gerne Tagebuch, am liebsten wenn ich unterwegs bin.

Nach dem Abitur studierte ich Deutsch und Theologie auf Lehramt. Ich schrieb meine Examensarbeit über „Das Motiv des Schreibens im Werk Christa Wolfs“. Doch nachdem ich bei einem Studentenjob zum ersten Mal Verlagsluft geschnuppert hatte, änderten sich meine Berufswünsche. Ich wollte dort arbeiten, wo Bücher herkommen (und Loseblattsammlungen und Zeitschriften …)! Ich machte ein Volontariat, wurde Lektoratsassistentin, Jungredakteurin, verantwortliche Redakteurin. Zog für den Gustav Fischer Verlag von Heidelberg nach Stuttgart, mit dem Egmont Ehapa Verlag von Stuttgart nach Berlin.

Nach fünfzehn Jahren und drei Verlagen machte ich mich selbstständig. Seitdem arbeite ich als freie Lektorin. Und habe ich etwas Neues begonnen, etwas Altes wiederentdeckt: das Schreiben mit dem Stift.

Ich machte eine Ausbildung zur Schreibtherapeutin und gründete 2013 das Schreibatelier Frohnau. Darin biete ich Kurse zum biografischen Schreiben an, kreatives Schreiben in Schreibgruppen und helfe Menschen dabei, ihre Biografie zu Papier zu bringen. Wenn sie wollen, ein Buch daraus zu machen, für sich und ihre Familie.

Die Faszination ist geblieben. Staunend spaziere ich durch Buchstabenwelten. Durch fremde und durch eigene.